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Musik-History 
German Westcoast Festival 
im August 1976


Der Text ergab sich aus einem 10 stündigem Interwiev mit Holger Krehky, Karl Heinz Hohenwald 
und Wolfgang Stender.

In den 70er Jahren war die "Alte Kate" in  Wesseln der  Mittelpunkt der Dithmarscher Live-Musik-Szene. In dem Saal, der ca. 300 Leute fassen konnte, und auf einer  Bühne, die mal gerade 10 X 4 Meter groß war, spielte fast alles, was zu der Zeit einen  Namen hatte in der Rock- und Jazzszene. Selbst eine Musikgröße wie Klaus Doldinger ließ es sich  nicht nehmen, in der  "Alten Kate" aufzutreten. Im Jahre 1976 wurde  die  Kate umbenannt  in  "Onkel  Fred´s  Philharmonie" (OFP), bedingt  durch  einen Besitzerwechsel. Zu dieser Zeit gründeten Mitglieder der Gruppe "LAOKOON" das Laokoon-Management (LM), um das musikalische  Programm für OFP zu gestalten. Das  LM setzte  sich aus drei Leuten zusammen, die jeweils ihre Aufgabenbereiche hatten über Technik und Verträge  bis  hin  zur  rechtlichen  Seite. Es  ist  nicht von der Hand zu weisen, dass die Drei ihr Handwerk verstanden, sie präsentierten  Supergruppen  in OFP. 


Danke an Karl Heinz Hohenwald für das Plakat. 

Eines  Tages  kamen  sie  auf  die  Idee, ein  kleines  Festival  mit  den  erfolgreichsten Gruppen in OFP zu veranstalten. Das Konzept stand, es sollte ein "German Westcoast Festival" werden, mit Termin am Wochenende den  20.- 22. August. Zudem  sollte  es eine Benefizveranstaltung für  RELEASE  sein, dieses  war ein gemeinnütziger Verein, der sich der Betreuung  und Therapie von  Drogenabhängigen widmete. Das LM trug diese Idee dem damaligen Besitzer von OFP vor, dieser fuhr auf die Idee voll ab. Damit nicht genug, er wollte es noch größer aufziehen mit mehr Gruppen und das dann Open Air. Auf die Frage, ob das nicht seinen finanziellen Rahmen sprengen würde, kam die Antwort: "Da macht ihr Euch mal keine Gedanken. Ich übernehme die Schirmherrschaft und werde alles Finanzielle regeln." Na denn, wenn das so ist, sagte man sich beim LM, dann können wir Gruppen buchen, von denen wir sonst nur träumen können. Es wurden Kontakte mit den Gruppen wie "KRAAN", " VOLKER KRIEGEL", "KLAUS DOLDINGER", "SATIN WHALE" geknüpft, um nur einige zu nennen. Bei den Gagen dieser Gruppen ist es  üblich, dass  eine  Bankbürgschaft  vorgewiesen  wird,  und  die Vorausberechnung für ein Festival dieser Größenordnung ergab eine Summe, die sich auf  100.000 DM  belief. Nach  Aussage  von  LM  wurde  das  Einfamilienhaus  des damaligen  Schirmherren  als Bankbürgschaft  eingetragen, und es folgte die Anmerkung vom Veranstalter, sollten sich die Ausgaben  auf  die  200.000 DM zubewegen, möchte  er  doch  rechtzeitig unterrichtet  werden. Dieses bedeutete  letztendlich  grünes  Licht für das  LM. Ansonsten wurde  danach nie wieder über  Geld  gesprochen bzw. ließ  der  Schirmherr  sich  von  keinem  mehr in die Karten sehen. Bis heute ist da noch  einiges  ungeklärt, zumal sich ein Herr aus dem Rendsburger Raum des öfteren mit dem Veranstalter bzw. Schirmherren  traf, mit  dem  keiner etwas  anfangen  konnte. Folgende Vermutung steht bis heute im Raum. Da die Bühne ausschließlich von  seinen  Leuten  aufgebaut  werden sollte, wird angenommen,  dass  Schwarzmitschnitte  des Festivals geplant waren, um mit diesen Bootlegs im nachhinein noch Geld zu machen. (Heute ist bekannt, dass dieser Mann bis dahin noch nie etwas mit Bühnen oder derartigen Veranstaltungen zu tun hatte, aber in einem sehr zwielichtigem Milieu zu Hause war.)   Der Veranstaltungsort für das erste Open Air "German Westcoast Festival" sollte die Fichtenhain Rennbahn in Heide sein. Vorgespräche  mit den Betreibern der Rennbahn sowie mit Verantwortlichen  der Stadt Heide verliefen positiv. So dass mit  den  ersten namhaften Gruppen Verträge  abgeschlossen wurden. Beim  LM  lief alles auf vollen Touren, um das Festival zu realisieren. Die Stadt Heide legte ihren  Auflagenkatalog vor, der ohne weiteres zu  erfüllen war. Dem  Festival stand  eigentlich nichts mehr im Wege, wäre  nicht dieser  Zeitungsartikel  erschienen, in  dem  der Schirmherr des Festivals  davon ausgeht, dass mit einer Besucherzahl  von  100.000 Menschen gerechnet werde. 
Dieser  Artikel  änderte schlagartig alles. Die Betreiber der Fichtenhain Rennbahn machten sofort einen Rückzieher (vielleicht  hatte  dort jemand Woodstock vor Augen). Das Problem löste  der Schirmherr, indem er mit den Betreibern einer angrenzenden Sandkuhle erfolgreich   verhandelte,  die  etwa  einer  Größe von  5 ha entsprach.  Da  dieses  Gelände   direkt  an  die   Rennbahn  grenzte, sah  man  diesen Ausweichplatz als ideal an, und  die  Vorbereitungen liefen ohne  Zwischenfälle weiter. Den schon fertigen Plakaten wurde der Zusatz  Festivalwiese  beigefügt. Über ganz  Deutschland  wurden   20.000  Plakate verklebt.  Einige  flogen  in  Urlaub und nahmen Plakate mit ins Ausland, so hingen  unter anderem Plakate in den Staaten und auf dem  Bahnhof in  Neu-Delhi. Dieser Standortwechsel sollte für das Festival jedoch katastrophale Folgen  haben. 


Artikel aus der Dithmarscher Landeszeitung.

Keiner  ahnte  zu  der  Zeit, dass  die  Stadtgrenze genau zwischen Rennbahn und   Sandkuhlengelände verlief. Nun  war  plötzlich  das  Amt Weddingstedt zuständig, und  es begannen  ungeahnte Schwierigkeiten, die schließlich die  geplante Durchführung des  Festivals verhinderten. Es  fing  an  mit  dem  ersten Schreiben  des  Amtes  Weddingstedt, ein Auflagenbescheid, der gekoppelt war an die Voraussetzung, wenn folgende  Fragen geklärt  sind, können wir Ihnen  die  Genehmigung erteilen. In dieser  Form  kamen  drei  bis  vier  Schreiben  ohne  einen Genehmigungsvermerk, ohne Auflagen. Der Inhalt dieser  Schreiben  waren belanglose  Fragen, die teilweise  mit  dem  Genehmigungsverfahren gar nichts zu tun hatten. Für das LM vergingen so  wertvolle Tage, um diese  Dinge abzuklären oder heranzuschaffen. Noch heute wird allerorts angenommen, das Amt Weddingstedt hatte die Hosen voll und war mit dieser  Sache  überfordert, da man die Zahl von 100.000 Besuchern für realistisch hielt. Denn das Amt hielt selbst nach einigen Gesprächen seitens des Veranstalters und des LM diese Zahl für absolut richtig. Beteiligte  nehmen an, das  Amt  Weddingstedt nähme die Sache  nicht  ganz ernst, nach  dem Motto, was  können  diese Langhaarigen schon ausrichten, und die  wollen ein Festival in dieser Größenordnung aufziehen. Wie auch immer, es verging wertvolle Zeit, der Festival Termin rückte immer näher und das Amt  Weddingstedt kam  nun mit  immer  neuen  Auflagen. Anzumerken sei an dieser Stelle, seitens des  Amtes  wurde die Zustellung  der  Auflagenbescheide auf Freitag verlegt, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass übers Wochenende der Veranstalter nicht in der Lage war, die Auflagen zu erfüllen. Für das LM  war  gerade dies eine  Herausforderung. Hatte man die Auflagen  erfüllt  und teilte dies dem Amt mit, so kam von dort der Einwand, wir haben  mittlerweile  anders entschieden. Es  müssen mehr Toilettenwagen bereitgestelltwerden und auch muss für das  Stromagregat  ein  Reserveagregat mit  einem zusätzlichen  Ersatz-Notstromagregat bereitgehalten werden. So standen  am Donnerstag, ein Tag vor Festivalbeginn, 9 Stromagregate  bereit  (mit denen hätte man ganz Heide versorgen können), und für  das  Amt  Weddingstedt  mit  seinen  Auflagen standen 18 Toilettenwagen bereit. Berechnungsformel damals, es können stündlich ca. 1300 Besucher auf die Schüssel. 
Laut Auflagenkatalog  trat nun noch  die  Amtsfeuerwehr Weddingstedt als besondere Attraktion  auf den Plan. 
Es sollte das Festivalgelände ordnungsgemäß den Brandschutzvorschriften  entsprechend abgesichert werden. Dafür müssen  64.500 l Wasser pro Minute fließen können, um ein  eventuell ausbrechendes Feuer zu löschen. Das  dafür benötigte Material  und die  Leute werden von der Amtswehr Weddingstedt gestellt  gegen  einen Unkostenbeitrag  von  37.000 DM. (Das  ist doch günstig oder nicht?). Ist es nicht eigentlich so, dass die Feuerwehr verpflichtet ist, solche Veranstaltungen abzusichern, in Verbindung mit der Jugendfeuerwehr hätte es sicherlich Einigen noch Spaß gemacht und gegen eine Spende in angemessener Höhe hätte niemand etwas gehabt. Dem damaligen Wehrführer kam diese Summe wohl auch etwas utopisch vor. Er bot sich an, mit der Jugendfeuerwehr und einigen alt gedienten Feuerwehrleuten das Gelände entsprechend abzusichern. Jedoch weiß man nicht, wer dem Wehrführer etwas ins Ohr geflüstert hat. Dem Veranstalter wurde kurz darauf lapidar mitgeteilt, es bleibe bei 64.500 l Wasser pro Minute und 37.000 DM für die Bereitstellung. Heute wie damals fragt man sich, wo wollte die Feuerwehr das benötigte Wasser hernehmen. Aus den viel zu kleinen Zuleitungen, oder hätte die Feuerwehr das unter Naturschutz stehende Moor trockengelegt. Angenommen eine  Pumpe 
schafft 1000 l in der Minute, hätten im Moorgelände 64 Pumpen ihre Arbeit  verrichten müssen mit ca.5000 m Schläuchen. Viele wundern sich heute noch, dass eine so kleine Amtswehr über eine derartige Ausrüstung verfügt. Seitens  der Veranstalter wird auch heute noch dem Amt Weddingstedt eine geschickte  Verschleppungstaktik  angelastet. 
Doch  Recherchen beim  Amt Weddingstedt ergaben, das dort die Lage  ganz  anders gesehen wurde. Der Antrag auf Durchführung des Festival sei viel zu spät eingegangen (am 22.Juli, also 4 Wochen vorher). Andere sind der Meinung, alles wäre durchführbar gewesen, hätte  Weddingstedt die  Amtshilfe  der Stadt  Heide  in Anspruch  genommen.  Nach  Aussage  des  Amtes  Weddingstedt  wurde  der erste  Auflagenkatalog  nach  Besprechung  mit  beteiligten  Behörden  am 26.7. dem  Veranstalter  zugestellt. Bis zum 2. Aug. war die Erfüllung der Auflagen  nachzuweisen. Warum 2. August ?  Bis zum Festivaltermin waren es  noch 18 Tage. Das  Wort   Verschleppungstaktik   hört  im  Amt  Weddingstedt keiner  gerne, angeblich  will   man   dort   trotz   Urlaubszeit  bis  22.00  Uhr  gearbeitet  haben, um  das  Festival  doch  noch  möglich  zu  machen. Sicherlich  eine  nicht  nachweisbare  noble Geste, jedoch  weiß  jeder, dass  allgemein  in  den  Amtsstuben  ab 16.00 Uhr  niemand  mehr  zu erreichen ist, was also hat man dort bis 22.00 Uhr gemacht, denn  Kontakt mit anderen Behörden  war nicht möglich. 
Wie  auch  immer, da am 2. August die  Erfüllung  einiger  Auflagen  seitens  des Veranstalters trotz Nachfristen  nicht nachzuweisen war, wurde das anstehende Festival vom Amte  Weddingstedt  nicht genehmigt.  Der  Veranstalter  beantragte darauf hin eine einstweilige Verfügung gegen diesen  Bescheid beim  Verwaltungsgericht  in  Schleswig. Doch nach  Berücksichtigung der Fakten  gab  das Gericht  dem Amt Recht und somit  der  Absage  des  Festivals. Anzumerken  sei  hier,  dass auf  Grund der Zeitnot vieles per Telefon  lief und es unmöglich war, den  Schriftverkehr  ordnungsgemäß abzuwickeln. Dieses AUS für das geplante Festival  ging  wie ein  Lauffeuer  durch  ganz  Deutschland, zumal  der  NDR  es  sich  nicht  nehmen  ließ, einen  ausführlichen Bericht  mit Interview des damaligen  Amtsvorstehers  zu senden. Es kam  daraufhin ein Anruf aus Jübeck. Dortige Veranstalter boten an, das  Festival dort auf dem Gelände durchzuführen, doch  das LM  und Veranstalter wollten davon   nichts  wissen. Hatte man sich doch  kurz  entschlossen, das  Festival in den  Räumen von OFP durchzuziehen,  denn  der  Kartenvorverkauf  war nicht  mehr  aufzuhalten, und  bereits  am Mittwoch waren schon erste Festivalbesucher angekommen. Doch bevor es zu dem  eingeschränkten  Festival in  OFP kommt, passierte  noch so einiges Erwähnenswertes am Rande. 
Der kleine Ort Ostrohe  wurde  so  aufgewiegelt, sich  gegen  das  geplante Festival zu wehren , dass sich dort  Schlägertrupps  organisierten  und die  Veranstalter  auf  dem Sandkuhlengelände massiv bedrohten. Zeitzeugen  berichten  von  einem  Autohändler, der  ganz  massiv  drohte:  "Wenn  ihr  hier nicht  verschwindet, dann  fahren  wir  hier Schweinegülle auf das Gelände. Bei dem Gestank kommt dann sowieso keiner!" Auch wurde dem Besitzer des kleinen  Motorrad-Museums erzählt, dass mit dem Schlimmsten zu rechnen sei. Woraufhin  dieser vor lauter  Angst sämtliche Ausstellungsstücke woanders unterstellen ließ und diese dann unter Bewachung stellte. Da ganz  Deutschland  davon ausging, das Amt Weddingstedt habe durch sein Verhalten das Festival verhindert, traf man auch hier entsprechende Sicherheitsvorkehrungen, zumal einige wilde Gerüchte in Umlauf waren. Das  Haus  des  Amtsvorstehers stand  unter  ständiger schwerer Polizeiüberwachung. Hundertschaften von Polizisten aus Eutin und  Soldaten  bevölkerten  das  sonst  so  ruhige Moorgelände  zwischen Ostrohe und Süderholm. Anreisenden Festivalteilnehmern  kam  es  vor,  als  wäre  hier eine  groß  angelegte  Übung  der Bundeswehr in Verbindung mit Polizeieinheiten. Das Festivalgelände war jedenfalls schon  am  Donnerstag seitens der Ordnungshüter hermetisch abgeriegelt. Es  kam jedoch zu keinerlei  Ausschreitungen, da  es  das LM verstanden hat, durch schnelles Reagieren und Umorganisieren den Besucherstrom  umzuleiten  in OFP nach Wesseln. Die  für  die  Beschallung  des  Festivalgeländes  zuständige  Firma  AMPTOWN  aus Hamburg, stand mit  großer  PA-Anlage  ebenfalls vor den Trümmern des abgesagten Festivals. Irgendwie schaffte man es dennoch, in kürzester Zeit auf der Bühne in OFP das Nötigste aufzubauen, um den Besuchern einen optimalen Sound zu bieten und die Bühne nicht noch kleiner zu machen als sie eh schon war. Um den  Saal  noch  etwas größer  zu  machen,  wurde  Donnerstag  Nacht  eine  Trennwand  herausgerissen, so konnten dann etwa bis zu 400  Besucher  das  Geschehen  auf  der  Bühne  verfolgen. Beim Rückblick auf dieses  Ereignis war der Donnerstag sicherlich der Kritischste, denn es waren mittlerweile ca. 5.000 Festivalbesucher angereist und umlagerten OFP. Da das vorgesehene Festivalgelände hermetisch abgeriegelt war und so auch die vorgesehen Campingplätze, musste das LM sich in  Wesseln umgehend nach geeigneten Möglichkeiten umsehen. Eine Wiese  gegenüber  von  OFP (heute Neubaugebiet) wurde zum  Park- und Campingplatz. Der Eigentümer wollte für die Nutzung 3.500 DM  haben. Dank ein paar scharfer Worte  des  damaligen Bürgermeisters wurde  diese  Geldgier aber im Keim erstickt. Noch heute erinnert man sich  dankend an die  Unterstützung des Bürgermeisters, der viel dazu  beigetragen hat, das  größte  Chaos zu verhindern. Die Bewohner des kleinen Ortes Wesseln standen voll hinter ihrem  Bürgermeister, so wurde nicht lange gefragt, ob Duschen  oder Toiletten  vorhanden waren. Nein, denn es schien selbstverständlich, dass  Festivalbesucher  bei  den Anwohnern  Duschen und die Toiletten  benutzen konnten. Andererseits  wurde  so  vermieden, dass der Ort  unnötig schmutzig  wurde. Am Freitag, an dem das Festival  beginnen sollte, reisten die gebuchten Gruppen an und standen nun ebenfalls vor diesem Trümmerhaufen. Bei den Musikern entstand so etwas wie Solidarität und man beschloß  bis auf  wenige  Ausnahmen, doch aufzutreten, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. 
Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, um den Verkehr durch den Ort zu  leiten, hatte doch die Veranstaltung  in  OFP  schon  einen  Volksfestcharakter  angenommen. Vor OFP  standen  Wurstbuden, Bierpilze und Zigarettenverkäufer, die  nicht  eingeplant waren, aber die Chance sahen, ein paar Mark zu verdienen. Wie gesagt konnte das LM nichts  dagegen  unternehmen,  dass  sich  diese  Geschäfte plötzlich  auf der Straße befanden. Andererseits sahen  das  LM  und  Veranstalter  sich  auch  nicht gezwungen, dagegen etwas zu unternehmen, da die Straße nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fiel. Das Amt  Weddingstedt hätte die Straße durch die Polizei räumen lassen können, aber es passierte  nichts. Dafür  durften die Veranstalter dann nach der Veranstaltung 5.000 DM  Bußgeld  bezahlen. Geht  man davon  aus, die Straße wäre mit den Wurstbuden usw.  geräumt  worden, dann  wären  die  Festivalbesucher wohl  auf  die  Barrikaden gegangen, hätte  man  doch  in  unmittelbarer  Umgebung nichts zu essen bekommen. Auch hier wundern  sich noch  viele  Beteiligte  über das unverständliche Verhalten des Amtes Weddingstedt. Das  Bußgeld  hätte  sicherlich  einen  besseren  Zweck erfüllen können. Am Freitag  befanden sich nach  Aussage vom LM ca. 10.000 Besucher in Wesseln,  geht man davon  aus, dass  7.000  Karten  im  Vorverkauf  und  weitere  3.000 Karten, trotz  der Absage des Festivals, zu diesem Zeitpunkt verkauft wurden. Viele der Besucher  drängten  sogar  darauf,  Karten  zu  kaufen. Heute wie damals geht das LM davon aus, viele kauften aus Trotz, um so  wohl  den  finanziellen Schaden mindern zu wollen. Was sich am Freitag Abend in OFP abspielte, kann man eigentlich mit Worten nicht beschreiben. Es ging also los mit der sogenannten Ausweich-Veranstaltung. Der 170 m² große Laden war hoffnungsvoll überfüllt, als die erste Gruppe anfing zu spielen. An die Besucher draußen  hatte  man vor  lauter  Aufregung gar  nicht  gedacht,  erst als sich Unmut  breitmachte, reagierten  die  AMPTOWN  Leute blitzschnell  und  stellten ein paar große Boxen nach draußen. Um einen Blick auf die  Bühne werfen  zu können, wurden die Leute nur noch  gruppenweise  eingelassen. Das LM sagt heute, wir wissen nicht, wie wir das  geschafft haben, aber die  erste Nacht ging mit allem Drum und Dran ruhig über die  Bühne. Es  gab  da Einlagen von  JASPER VAN´T HOF  und  TOTO BLANKE  in  der  Gastwirtschaft, die  vielen  Besuchern  ein einmaliges  Erlebnis boten, ihrem Idol  einmal so nahe zu sein. Am Samstag erreichte die Veranstaltung den absoluten Höhepunkt, in Wesseln war die Hölle los. Zu den Festivalbesuchern gesellten sich noch Schaulustige, denn durch Presseberichte und Rundfunk waren viele auf diese Veranstaltung   bzw.  das   nicht   genehmigte  Festival  aufmerksam  geworden. Beim Anblick  dieser  Menschenmassen beschloß  das  LM, einige  Toilettenwagen  vom Sandkuhlengelände nach  Wesseln  zu   bringen,  um  so  dem   Ansturm   gerecht  zu werden. 



Artikel aus der Dithmarscher Landeszeitung.

Es wird berichtet, dass am Samstagmorgen  Anwohner die Festivalbesucher mit Kaffee  und  Kuchen versorgten  und  sich so auf  nette Art und Weise menschliche Bedürfnisse von ganz alleine regelten. Beim Versorgen mit Getränken gab es schon am Freitag  Probleme. Die  Getränkevorräte  in  OFP  waren  restlos  aufgebraucht. Sämtliche  Getränkelieferanten  aus  ganz Dithmarschen  räumten  ihre  Lager, und  nach anfänglichem  Zögern  ließ  auch  der Holsten-Lieferant bereitwillig sein Lager leer kaufen. Am Sonntag sagte dann noch eine Marner Brauerei eine Lieferung aus dem Kreis Steinburg zu. Aus Platzmangel wurden in Pferdeställen und angrenzenden Garagen Getränke zwischengelagert. Folgende Gruppen haben in OFP in den drei Tagen auf der Bühne gestanden:  PASSPORT, VOLKER KRIEGEL und BAND, EMBRYO, H2SO4, PAGO PAGO, MISSUS BIESTLY, MESSAGE, HÖLDERLIN und NARRENPARADIES. Bei den nächtlichen Sessions spielten Mitglieder von KRAAN, GURU GURU, NOVALIS, SATIN WHALE und das RELEAS-ORCHESTRA hielt das Publikum bei Laune. Das LM zieht Bilanz nach der Veranstaltung. Die Frage: "Was ist bei der Veranstaltung finanziell heraus gekommen", ist  bis  heute  ungeklärt. Der Schirmherr und Veranstalter hat sich bis heute über die damaligefinanzielle Lage nicht geäußert. 
Doch überschlägt man folgendes, Kartenvorverkauf 7.000 Stück. à 20 DM (140.000DM)  Rechnet man den Kartenverkauf während der Veranstaltung und drei Tage Getränkeumsatz dazu, so ergibt das doch eine stattliche Summe trotz aller Kosten. 
Über diese Seite des Festivals breitet sich bis heute der Mantel des Schweigens aus. 
Das LM geht davon aus, seine Sache gut gemacht zu haben, denn  beschwert  hat sich der Veranstalter nicht. Ein Festival in dieser Größenordnung mit so vielen Top Bands und Zuschauen hat es bislang  im  Dithmarscher Raum nicht  wieder gegeben. Dass im Verlaufe von über 20 Jahren sehr viel dazu  gelernt wurde  und  auch  die  Behörden  sehr  gut  mitarbeiten, zeigen  Open  Air  Veranstaltungen  wie  Wacken, Jübeck, Wallsbüll, Norddeich, Landjugendfete bei Albersdorf und Open Air Veranstaltungen im Grünental-Gelände. 

Info: Interview mit dem damaligen LAOKOON Management: Günter Eisenberg-Horns
Recherchen Amt Weddingstedt: Bernd Thon. Danke  für die Mitarbeit.